Die Obama Protokolle

by Elisabeth Wehling, published in ZEIT Online

In Berlin hat er es wieder bewiesen: Obama ist ein authentischer Redner – und das verschafft ihm immense Vorteile. Er wirkt sowohl in seiner gesprochenen als auch seiner Körpersprache ungemein natürlich und unbefangen. Menschen haben ganz feine neuronale Sensoren dafür, ob Körperbewegungen – wie zum Beispiel ein Lächeln – befangen und gestellt sind oder tatsächlich vom Kommunikator "gefühlt" werden. Sein Kommunikationsstil signalisiert Offenheit und Freude ebenso wie Ernsthaftigkeit – und das sind alles wichtige Merkmale erfolgreichen Führungsstils. 

Alles in allem ist Obama also ein guter Kommunikator. Aber eine Rückbesinnung auf eine stärker Werte basierte Argumentation, also ein authentisches "Framing"seiner politischen Ziele, wäre gut. Framing bezeichnet das sprachliche Schaffen von Deutungsrahmen, die politischen Vorhaben einen moralischen Sinn verleihen. 

Es ist erkennbar, dass sich seine politische Rhetorik verändert hat, zumindest in Teilen. Ein Beispiel: In seinem ersten Wahlkampf im Jahre 2008 sprach der US-Präsident oft davon, wie wichtig die Werte der Empathie und Gegenseitigkeit für ihn als Menschen und auch für seine Politik sind. Im Laufe seiner Präsidentschaft hat Obama dann immer öfter darauf gesetzt, Programmdetails zu kommunizieren. Das war zum Beispiel so, als er die Gesundheitsreform anging. Die Werte rückten dabei nicht selten in den Hintergrund. Das hat seiner Politik geschadet, denn die Menschen erkannten nicht mehr die moralische Notwendigkeit hinter seinen Maßnahmen.